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Verkaufshilfe für deutsche offene Fonds
BIIS-Gutachter wollen Immobilien künftig auch
nach der angelsächsischen Discounted-Cash-Flow-Methode
bewerten
Frankfurt/Main - Der Bundesverband der Immobilien
Investment Sachverständigen (BIIS) will bei der
Bewertung der Bestände offener Fonds künftig auch
die bei angelsächsischen Opportunity Fonds
bevorzugte Methode des "Discounted Cash Flows"
(DCF) berücksichtigen. "Dadurch wird die
Marktwertermittlung auch für ausländische
Investoren besser nachvollziehbar", sagt
BIIS-Geschäftsführer Gernot Archner.
Die Performance offener Immobilienfonds mit einem
hohen Anteil deutscher Objekte im Portfolio leidet
seit Jahren unter der Krise am heimischen
Immobilienmarkt. Die Manager wollen deshalb
verstärkt ausländische Märkte erschließen. Um das
nötige Geld zu bekommen, müssen jedoch zuvor
inländische Objekte verkauft werden.
Angelsächsische Opportunity Fonds haben zwar den
schlappen deutschen Immobilienmarkt als
Investitionsziel ausgemacht. Bisher konzentrieren
sie sich jedoch überwiegend auf Wohnungsbestände.
Von Büroimmobilien, die bis zu 70 Prozent der
Portfolios offener Fonds ausmachen, halten sie
sich bisher fern. Auch, weil sie die
Marktwertermittlungen nach dem
Ertragswertverfahren nicht immer nachvollziehen
können.
"Angloamerikanische Investoren hatten von jeher
Zweifel an der deutschen Bewertungspraxis",
erläutert Professor Karl-Werner Schulte von der
European Business School in einem Beitrag im
jüngsten IVG-Magazin. Amerikaner und Briten fühlen
sich in ihrer Skepsis bestätigt, seit
Wirtschaftsprüfer der KPMG bei einer Überprüfung
des Portfolios des notleidenden
Deka-Immobilien-Fonds im Auftrag der
Bankenaufsicht BaFin im vergangenen Herbst einen
Abwertungsbedarf von mehr als 500 Mio. Euro
ausgemacht hatten. Unabhängige Analysten wie
Stefan Loipfinger, Herausgeber des
Fondstelegramms, warnen bereits seit Jahren, die
Fondsobjekte würden in guten Jahren zu sehr
aufgewertet, in schlechten Marktphasen jedoch nur
unzureichend abgewertet. Andrew Groom, Leiter des
Bewertungsteams von Jones Lang LaSalle
Deutschland, kritisierte jüngst: "Die
Sachverständigen haben die Rezession in
Deutschland zu spät erkannt und deshalb zu
gutmütig bewertet."
Die Kritik wird vom BIIS, dessen unabhängige
Sachverständige die Immobilienbestände aller
offenen Fonds regelmäßig bewerten, zurückgewiesen:
"Das Ertragswertverfahren ist für die Ermittlung
von Marktwerten für Renditeobjekte die
international übliche Methode", sagt
Geschäftsführer Archner. Spekulativ eingestellte
Investoren wie die Opportunity Fonds machen
allerdings die DCF-Methode zur Grundlage ihrer
Entscheidung, weil sich damit die jeweiligen
Fremdkapitalkosten des Investors und seine
steuerliche Situation sowie die Auswirkungen
unterschiedlicher Exit-Zeitpunkte auf den
Gesamtertrag darstellen lassen.
Der BIIS hat inzwischen einen Arbeitskreis
eingerichtet, der bis Ende des Jahres ein
standardisiertes DCF-Verfahren für die
Sachverständigen entwickeln soll. Schon im
nächsten Jahr könnte dann die neue Methode bei der
Bewertung offener Fonds angewandt werden. Dabei
soll sie das Ertragswertverfahren nicht ersetzen,
sondern dessen Resultate lediglich
"plausibilisieren".
Archner: "Wir wollen zeigen, daß mit dem
Ertragswertverfahren dieselben Marktwerte
ermittelt werden, wie mit einer marktadjustierten
DCF-Methode." Für ausländische Investoren sei die
zusätzliche Wertermittlung nach DCF zugleich eine
"Übersetzungshilfe". rhai
[Quelle: DieWelt; Artikel erschienen am Do, 2.
Juni 2005]
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